AXIS

AXIS

Axis


Hugo Read (as, fl)
Matthieu Michel (tp)
Claus Stötter (tp)
Heiri Känzig (b)
Thomas Cremer (dr)

JAZZ4EVER-Records J4E 4735

Pocket Symphony:
a) Introduktion b) Vom Wind c) Trio No. 2 d) Interludium e)
Eye Of The Fly f) In g) Sequenz h) Coda - Chick On The Water -
Blues! - Land Of Desolation, Land Of Mists, Part I + II (rec. 11.94/3.97)

Das New Jazz Quintett AXIS wurde 1994 gegründet. Alle Musiker steuern seitdem zum Programm eigene Kompositionen bei, die sowohl Einflüsse des zeitgenössischenJazz und seiner Traditionen als auch der europäischen Musik neu verbinden sollen.Bei der ersten Tournee der Gruppe im Jahr 1994 war Matthieu Michel (übrigens nur mit Flügelhorn) mit auf Reisen, beim dritten Konzert dieser Tour am 24.11.1994 in der Frankfurter Musikhochschule entstanden hier die ersten Live-Aufnahmen, auf der CD an Position 2, 9 und 10 zu hören. Für Matthieu, der in den folgenden Jahren äußerst intensiv mit anderen Bands beschäftigt war (u. a. im Vienna Art Orchestra), konnte AXIS im Jahr 1995 den Tübinger Trompeter und Shooting-Star Claus Stötter gewinnen. Mit ihm entstanden im März 1997 die Live-Aufnahmen in Düsseldorf (eingespielt für den WDR und auf der CDauf Position 8 und 11 zu finden) und die ebenfalls im März 1997 - wiederum in der Musik-hochschule Frankfurt aufgenommen - Titel 1, 3, 4, 5, 6 und 7.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schrieb am 1.3.1998 zum CD-Präsentationskonzertin Frankfurt: "Von Zeit zu Zeit kommt eine Band daher, die sich nicht auf einen schmalen Ausschnitt aus dem breiten Stilkatalog des Jazz beschränken will. Eine solche Band ist AXIS. Das Quartett um den Frankfurter Schlagzeuger Thomas Cremer will mehr: die Disziplin des zeitgenössischen Modern Jazz, die Entfaltungsmöglichkeiten des freien Spiels, die rhythmische Energie des Rock und die kargen Klangwelten der Neuen Musik. AXIS zieht die Summe dessen, was heute im Jazz zeitgemäß ist - mit einer Ausnahme: elektronischeSounds und Effekte fehlen (noch?) im Klangkosmos der Gruppe. Es ist also alles akustisch und handgemacht, was die vier Akteure abliefern: Hugo Read an Altsaxophon und Flöte, Claus Stötter an Trompete und Flügelhorn, Heiri Känzig am Kontrabass undThomas Cremer am Schlagzeug. Obwohl AXIS seit 1994 besteht und Kritiker wie Publikum schon auf diversen Festivals und Konzerten zum Aufhorchen brachte, ließ man sich bis zur Veröffentlichung einer ersten CD bis jetzt Zeit. Was lange währte, wurde dann aber auch besonders gut und deshalb gebührend mit einem Konzert gefeiert. .........

Stötter, Read, Känzig und Cremer präsentierten sich in bester Spiellaune. Das Programm beschränkte sich dabei nicht auf Titel der CD, sondern stellte auch neue Kompositionen vor. So etwa Hugo Read`s dreiteilige Suite "Music For Small Ensemble", deren haar-sträubend virtuose Unisono-Passagen für einen furiosen Einstieg sorgten und die Solisten gleich zu energiegeladenen Improvisationen animierten: Claus Stötter, der - ob auf Trom-pete oder Flügelhorn - die gleiche stupende Beweglichkeit und melodische Imagination zeigt, und Hugo Read, dessen nicht minder bewegliches Spiel auf dem Altsaxophon gleichermaßen durch Expressivität wie motivische Durchformung geprägt ist. Doch die traditionelle Aufteilung in Solisten und Begleiter greift bei AXIS zu kurz. Als harmonisch-melodischer Impulsgeber steuert Heiri Känzig den kollektiven Improvisationsprozeß und zeigt dabei die Vorliebe für rhythmisch vorantreibende Figuren. Mit Hilfe der von Rockgitarristen abgeschauten Tapping-Technik erzielt er erstaunliche Wirkungen auf seinem trotz elektrischer Verstärkung wunderbar akustisch und nach Holz klingenden Kontrabaß.

Thomas Cremer gibt sich selten mit der Rolle des Rhythmuslieferanten zufrieden. Vielmehr kommentiert er das Geschehen, färbt es ständig um und scheut auch nicht davor zurück,es gelegentlich lustvoll zu stören. Daß AXIS ein Kollektiv gleichberechtigter Akteure ist, drückt sich auch in der Tatsache aus, daß alle Mitglieder Stücke für die Gruppe schreiben und so mit ihren individuellen Farben prägen. Da gibt es wunderbare Balladen neben zupackenden Rockgrooves und kollektives Powerplay neben klanglich-melodischer Poesie. Niemals wirkt die Musik dabei angestrengt oder prätentiös, denn die vier Musiker agieren mit einer Souveränität, wie sie nur in langjähriger praktischer Erfahrung in den unterschiedlichsten jazzmusikalischen Zusammenhängen reifen kann.

(Jürgen Schwab)