Letzter Schliff

Feine Kontrapunkte mit Axel Schlosser und Band


Der Hard Bop ist der späteste Jazzstil, der noch unter das Mainstream-Dach gezogen werden kann. Er entwickelte sich in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre als Reaktion auf die Intellektualität des Cool Jazz und die allzu leichte Gangart des West Coast Jazz. Der Schliff des Hard Bop, die Strahlkraft der Bläsersolisten – auch und gerade wenn sie egozentrisch waren -, die technischen Herausforderungen dieser kontrollierbaren Virtuosität und das
Bekenntnis zu herzhaft-seelenvollem Swing ließen den Hard Bop als praktizierte Musik, mindestens aber als bodenständige Referenz in allen Turbulenzen der Jazz-Entwicklung nie aussterben.


Wie man heute mit Hard-Bop Elementen umgehen kann und sich zugleich von ihnen löst, zeigt diese CD des deutschen Trompeters Axel Schlosser Die Kombination Trompete/Tenorsaxophon (Julian Argüelles) ist der klassische Sound des Hard Bop, an den auch einige Unisono-Themen, der kraftvolle Swing und die energiegeladene Spielkultur erinnern. Nirgends aber verfällt Schlosser in alte Klischees. Alle Kompositionen stammen von ihm, gehen nahtlos in Kollektivimprovisationen über, lösen sich harmonisch in Richtung Atonalität auf, feiern feine Kontrapunkte, ranken sich um weltvergessene Stimmungen des Flügelhorns und schaffen es im kurzen Schlusstitel sogar, Free Jazz und New-Orleans-Töne in wärmender Verwandtschaft sich umarmen zu lassen. Und die Musik dieses klavierlosen Quartetts (Martin Sjöstedt spielt Bass, Jean Paul Höchstädter das Schlagzeug) ist in allen
Details einfach saugut gespielt.

Ulrich Olshausen, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.3.2009